Publikation in PNAS
Was passiert mit einem Team, das zehn Monate lang auf engstem Raum in der Antarktis lebt? Eine Studie unter Beteiligung von Andrea Cantisani, Leitender Arzt am Sanatorium Kilchberg, liefert überraschende Antworten – publiziert in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).
27.05.2026
Die Concordia-Station in der Antarktis gilt als einer der isoliertesten Orte der Erde – mit Wintertemperaturen bis minus 80 Grad und monatelanger Abgeschiedenheit. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Jan B. Schmutz (Universität Zürich) und unter Beteiligung von Andrea Cantisani (Leitender Arzt Sanatorium Kilchberg, Universität Bern) hat dort während einer zehnmonatigen Überwinterungsmission die soziale Dynamik einer zwölfköpfigen Crew untersucht. Tragbare Sensoren zeichneten kontinuierlich auf, wann und wie lange sich die Crewmitglieder in unmittelbarer Nähe zueinander befanden.
Die Ergebnisse stellen eine verbreitete Annahme in Frage: Nicht nur Einsamkeit belastet in isolierten Umgebungen – auch ständige Nähe kann sich negativ auswirken. Die Forschenden sprechen von einem «Proximity Paradox»: Häufige physische Nähe ging mit mehr Konflikten, wachsendem Misstrauen und sozialem Rückzug einher. Die Erkenntnisse sind weit über die Polarforschung hinaus relevant – überall dort, wo Menschen über längere Zeit auf engem Raum zusammenleben oder -arbeiten.
Wir freuen uns sehr, dass mit Andrea Cantisani ein Kollege aus unserem Haus an dieser wegweisenden Forschung mitgewirkt hat, und gratulieren herzlich zur Publikation.
Weiterführende Informationen
- Originalstudie (PNAS): https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2533420123
- Medienmitteilung der Universität Bern: siehe Anhang
Bild: © ESA/IPEV/PNRA/Jessica Studer